Flensburger Punkte, das sind keine Delikatessen wie die köstlichen Florentiner. Ganz im Gegenteil. Das schleswig-holsteinische Flensburg, die nördlichste Stadt Deutschlands in unmittelbarer Nähe zu Dänemark, hat es nicht leicht. Jeder Autofahrer assoziiert die eigentlich zauberhafte Hafenstadt mit dem unerfreulichen Verkehrszentralregister und dem Bußgeldkatalog. Alle Jahre wieder soll dieses Sündenregister, in dem jeder Autofahrer namentlich erfasst ist, auch dieses Jahr modifiziert werden.
Rund neun Millionen Deutsche haben Punkte in ihrer Verkehrssünderdatei. Wie viele es genau sind, wissen sie oft nicht. Denn bisher muss man schriftlich beim Kraftfahrt-Bundesamt Flensburg um Auskunft über den persönlichen Punktestand im Verkehrszentralregister bitten – auf einem eigens dafür vorgesehenen Formular, samt Kopie des Personalausweises, Angaben zur Person und amtlich beglaubigter Unterschrift. Es geht auch online. Doch dann kostet es 49 Euro. Mit dem elektronischen Personalausweis soll eine automatische Punkteabfrage in Zukunft möglich werden. Noch gibt es sie allerdings nicht. Und erfahrungsgemäß ist die Gesetzgebungsmaschinerie langsam.
Die potentiell erfreulichen Nachrichten vorab: Verkehrsdelikte sollen künftig separat verjähren. Das heißt: Sobald neue Punkte dazu kommen, gilt das Datum des neuesten Punkteerwerbs nicht mehr rückwirkend auch für die älteren Punkte. Außerdem soll die Punkteobergrenze steigen, und für einige Verkehrssünden soll die Punktezahl verringert werden. Außerdem gibt es Überlegungen, die Höchstgrenze erlaubter Punkte vor Verlust des Führerscheins von bisher 18 auf zukünftig 20 Punkte zu erhöhen.
Doch Vorsicht: Noch ist keine der von Bundesverkehrsminister Ramsauer vorgeschlagenen Gesetzesänderungen gültig, und womöglich treten sie nur teilweise oder gar nicht in Kraft.
Die schlechte Nachricht: Wie alles beim Autofahren sollen auch Verstöße gegen Verkehrsregeln insgesamt teurer werden. Der Autofahrer sieht sich schon lange als Melkkuh der Nation. Für welchen Verstoß er in Zukunft mit welchem Bußgeld zur Kasse gebeten und zusätzlich mit Punkten in welcher Höhe belegt werden soll, auch das steht zur Debatte. Was sich nicht ändert, ist der „Gang nach Kanossa“, also des Senken des ungeliebten Kontostandes via Aufbauseminar bei der örtlichen Fahrschule.
Punktesammeln ist eben nicht gleich Punktesammeln. Auf die in Flensburg kann jeder Autofahrer gerne verzichten.
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