Eiskalt am Steuer
Auch in Hollywood ist das Auto nur so gut wie sein Fahrer

Im Kino ist es wie bei uns im Straßenverkehr: Talent steht in keinem Verhältnis zum Fahrzeug, am Steuer der meisten Protzkisten sitzen Stümper. Wirklich coole Typen fahren eher unscheinbare Wagen.

Und sehr viel cooler als Ryan Gosling als namenloser KFZ-Samurai in dem morgen in die Kinos kommenden Film „Drive“ geht es kaum. Tagsüber arbeitet er als Schrauber in der Werkstatt seines väterlichen Freundes Shannon. Der vermittelt ihn auch als Stunt-Fahrer an Filmproduktionen – und für Fluchtwagen-Einsätze an die Unterwelt. Wenn man dem Fahrer eine Zeit und einen Ort nennt, garantiert er fünf Minuten ungestörten Vorsprung vor der Polizei, er stellt keine Fragen und trägt keine Waffe.

Dafür bringt er eine Familienkutsche (2006er Chevy Impala, Vorort-Silber) diskret auf Rennwagen-Leistung, klemmt die Armbanduhr fest, stellt den Polizeifunk ein und fährt los. Eiskalt durchquert er mit zwei Räubern auf der Rückbank das nächtliche L.A., folgt im Schritt-Tempo einer Streife, weicht den Suchscheinwerfern der Polizei-Helikopter aus. Seine Hände umgreifen das Lenkrad fest, aber unverkrampft, der Zahnstocher ruht die ganze Zeit entspannt im Mundwinkel. Den Wagen stellt er rechtzeitig zum Abpfiff im Stadion-Parkhaus ab. So macht man das: Gewieft, unauffällig, cool.

In dem gelegentlich recht groben Film fährt Gosling auch mal einen Ford Mustang und einen NASCAR-Wagen – aber wahrscheinlich könnte er auch mit einem alten VW Polo noch zaubern. Und über wen kann man das schon sagen, im Kino oder auf der Straße?

Kinostart am 26. Januar 2012

 

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